{"id":13713,"date":"2015-09-29T05:45:03","date_gmt":"2015-09-29T09:45:03","guid":{"rendered":"https:\/\/pierrejoris.com\/blog\/?p=13713"},"modified":"2015-09-29T05:45:03","modified_gmt":"2015-09-29T09:45:03","slug":"tageblatt-article-on-pj-luxembourg-national-theater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pierrejoris.com\/blog\/tageblatt-article-on-pj-luxembourg-national-theater\/","title":{"rendered":"Tageblatt Article on PJ @ Luxembourg National Theater"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">Heute hier, morgen da<\/h2>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Eineinhalb Stunden verfliegen wie zehn Minuten, und selbst der Automatenkaffee schmeckt irgendwie nach Zaubertrank. Ein wenig high verl\u00e4sst man das Theater schon \u2013 nach einem Gespr\u00e4ch mit Pierre Joris. Die Droge? Na, die Sprache.<\/h4>\n<div id=\"attachment_13714\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/pierrejoris.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/topelement-e1443519377532.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13714\" class=\"size-full wp-image-13714 lazyload\" data-src=\"https:\/\/pierrejoris.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/topelement-e1443519377532.jpg\" alt=\"Mit zwei St\u00fccken ist Pierre Joris in der diesj\u00e4hrigen Spielzeit im TNL vertreten. (Bild: Fran\u00e7ois Aussems)\" width=\"490\" height=\"323\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" style=\"--smush-placeholder-width: 490px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 490\/323;\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13714\" class=\"wp-caption-text\">Mit zwei St\u00fccken ist Pierre Joris in der diesj\u00e4hrigen Spielzeit im TNL vertreten. (Bild: Fran\u00e7ois Aussems)<\/p><\/div>\n<div id=\"readspeaker\" style=\"text-align: justify;\">\n<p>Er wohnt nicht in Luxemburg, sondern in New York. Und er ist eigentlich kein Theatermensch, sondern in erster Linie Dichter. Der diesj\u00e4hrige \u201eauteur en r\u00e9sidence\u201c des TNL ist schon etwas ganz Besonderes. Ein Gespr\u00e4ch mit Pierre Joris l\u00e4sst einige Bruchteile erkennen, aus denen sich diese Pers\u00f6nlichkeit, die u.a. Paul Celan ins Englische \u00fcbersetzte, mit Janis Joplin und Allen Ginsberg in New York wilde Feste feierte und nun hier in Luxemburg sitzt und \u00fcber Fl\u00fcchtlinge und Nomadentum redet, zusammensetzt. Er lebt in keinem Elfenbeinturm, sondern nimmt an der Welt in all ihren Dimensionen teil, ist st\u00e4ndig in Bewegung, ruhelos, nomadisch, aufgew\u00fchlt.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><span class=\"story_infobox\"><span class=\"info_text\"><b>________________________________________<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p>Pierre Joris im TNL<\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><b>\u2022 The Gulf (Between You and Me)<\/b><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\">\u2022 Pierre Joris \/ Gabriel<br \/>\nJackson \/ Chris Jonas \/<br \/>\nGene Coleman<\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\">\u2022 23., 25. und 28. Oktober<\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><b>\u2022 The Agony of I. B.<\/b><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\">\u2022 Regie: Marion Poppenborg<\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\">\u2022 Mit: Sascha Ley, Nickel<br \/>\nB\u00f6senberg und Fred Frenay<\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\">\u2022 14., 17., 18. und 21. Juni<\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><b>Infos:<\/b><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.tnl.lu\/de\/\" target=\"_blank\">www.tnl.lu<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/pierrejoris.com\/\" target=\"_blank\">www.pierrejoris.com<\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\">___________________________________________<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me sind die Rettung Europas, findet er. Nur leider h\u00e4tten das die wenigsten verstanden. \u201eDas mit dem Nationalstaat haben wir versaut\u201c, sagt er, \u201eda m\u00fcssen wir dr\u00fcber hinwegkommen\u201c. Die L\u00f6sung sei nunmal \u2013 er zitiert aus \u201eZeus hospitalier\u201c von Ren\u00e9 Scherer \u2013 die Invasion. \u201eVive donc l\u2019invasion!\u201c Lasset die Zeit der Anderen kommen, das Einzige, was uns noch retten kann, ist die Vermischung, denn: \u201eDie Wurzel allen \u00dcbels ist Reinheit\u201c.<\/p>\n<p><b>Gr\u00f6\u00dfte Erfindung der Menschheit<\/b><\/p>\n<p>Das gelte \u00fcbrigens auch f\u00fcr die Literatur, f\u00fcr die Sprache, \u201edie gr\u00f6\u00dfte Erfindung des Menschen\u201c. Pierre Joris wird sprachphilosophisch:<\/p>\n<p>Es k\u00f6nne keine Reinheit, keine Durchsichtigkeit in der Sprache geben, zwischen dem Ding und dem Wort, das es zu nennen versucht, bleibe immer un\u00fcberbr\u00fcckbarer Raum, Nomadenland. Ding und Wort haben nicht viel miteinander zu tun, das d\u00fcrfe man niemals vergessen, denn sonst laufe man Gefahr, das Menschliche zu vereinfachen &#8230;<\/p>\n<p>Das \u00dcbersetzen erm\u00f6gliche den st\u00e4rksten Fokus auf ein Sprachgebilde, sagt Pierre Joris. Schlie\u00dflich versuche ein \u00dcbersetzer, ein Sprachgebilde in eine andere Sprache \u201eeinzumei\u00dfeln\u201c. Bei den Gedichten von Celan zum Beispiel habe er versucht, \u201edas Deutsche so ins Englische einzusetzen, wie der H\u00f6lderlin das Griechische ins Deutsche hineinschrieb\u201c.<\/p>\n<p><b>\u201eSt\u00e4rkste Ausdrucksform der Sprache\u201c<\/b><\/p>\n<p>Kein Wunder, dass jemand, der seine Arbeit als \u00dcbersetzer mit solchen Worten beschreibt, sich selbst in der Dichtung, als \u201est\u00e4rkster Ausdrucksform der Sprache\u201c, am N\u00e4chsten f\u00fchlt. \u201eDie Form des Romans finde ich uninteressant. Warum soll ich Situationen oder Personen erfinden?\u201c Und deshalb liegt der einzige Roman, den Joris, damals in den sechziger Jahren als Student, in irgendeinem Hotel in Paris jemals geschrieben hat, bis heute unber\u00fchrt in einer Schublade.<\/p>\n<p>Und das Theater? Das ist ihm schon vertrauter. Vor allem, weil er sich dem Theater mithilfe seiner Dichtung n\u00e4hern kann. \u201eWissen Sie, die amerikanische Poesie ist sehr unfranz\u00f6sisch, ihre Sprache viel n\u00e4her der gesprochenen Sprache und deshalb direkter, lebendiger, spontaner\u201c. Alle seine Gedichte k\u00f6nne er laut vorlesen und vor seinen Studenten, mit denen er \u00fcber die Notwendigkeit spreche, dass alle Dichtkunst nomadisch sein m\u00fcsse, laufe er auch st\u00e4ndig herum. Das \u00e4hnele schon sehr einer Performance.<\/p>\n<p>Auch im TNL wird Pierre Joris auf der B\u00fchne zu sehen sein. F\u00fcr das St\u00fcck \u201eThe Gulf (Between You and Me)\u201c, ein St\u00fcck, das das \u00d6lungl\u00fcck Deep Water im mexikanischen Golf zum Ausgangspunkt hat. Eine Collage aus Text, Musik und Performance, die \u2013 davon ist auszugehen \u2013 die Grenzen des klassischen Theaters sprengen wird.<\/p>\n<p>Frank Hoffmann wartet, und der Zug nach Paris und die Arbeit auch. Gespr\u00e4chsfetzen h\u00e4ngen in der Luft, bis zum 23. Oktober, Pierre Joris!<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"autor\" style=\"text-align: justify;\">(Janina Str\u00f6tgen)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute hier, morgen da Eineinhalb Stunden verfliegen wie zehn Minuten, und selbst der Automatenkaffee schmeckt irgendwie nach Zaubertrank. Ein wenig high verl\u00e4sst man das Theater schon \u2013 nach einem Gespr\u00e4ch mit Pierre Joris. Die&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[56,61,64,91,817],"tags":[],"class_list":["post-13713","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interview","category-journalism","category-literature","category-poetry","category-theater"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pierrejoris.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13713","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/pierrejoris.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/pierrejoris.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pierrejoris.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pierrejoris.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13713"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/pierrejoris.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13713\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13721,"href":"https:\/\/pierrejoris.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13713\/revisions\/13721"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pierrejoris.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13713"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/pierrejoris.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13713"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pierrejoris.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13713"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}