{"id":12061,"date":"2014-05-30T10:08:44","date_gmt":"2014-05-30T14:08:44","guid":{"rendered":"https:\/\/pierrejoris.com\/blog\/?p=12061"},"modified":"2014-05-30T10:13:36","modified_gmt":"2014-05-30T14:13:36","slug":"2014-buchner-prize-to-jurgen-becker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pierrejoris.com\/blog\/2014-buchner-prize-to-jurgen-becker\/","title":{"rendered":"2014 B\u00fcchner Prize to J\u00fcrgen Becker"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter lazyload\" data-src=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/media\/thumbs\/8\/8c3ea03581fc30dc7bb5c8db646064b6v1_max_440x330_b3535db83dc50e27c1bb1392364c95a2.jpg\" alt=\"\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">This year&#8217;s <em><strong>B\u00fcchner Preis<\/strong><\/em> \u2014 the major poetry prize in Germany (both in prestige &amp; money: 50.000 Euros) \u2014 went to poet, \u00a0experimental prosist, &amp; radio-play author\u00a0<strong>J\u00fcrgen Becker<\/strong>. Not much is available in English, though <em><strong>The Brooklyn Rail<\/strong><\/em> has some\u00a0translations <a href=\"http:\/\/intranslation.brooklynrail.org\/german\/poetry-by-jurgen-becker\">here<\/a>. I&#8217;m reprinting their bio-note &amp; two poems translated by <strong>Okla Elliott<\/strong> below.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #666666;\">J\u00fcrgen Becker was born in K\u00f6ln, Germany, in 1932. He is the author of over thirty books\u2013novels, story collections, poetry collections, and plays\u2013all published by Germany\u2019s premier publisher, Suhrkamp. He has won numerous prizes in Germany, including the Heinrich B\u00f6ll Prize, the Uwe Johnson Prize, and the Hermann Lenz Prize, among others. Becker\u2019s work often deals with his childhood experience of WWII and the political consequences of the postwar division of Germany.<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<div class=\"story\" style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">\n<blockquote>\n<h3>A Worn-out Machine<\/h3>\n<p>Oil leaks, rusty sides; yet<br \/>\nit drives on<br \/>\nthrough each effort. The quiet<br \/>\nwheezing is a shared<br \/>\ncustomary ache: there\u2019s no reason<br \/>\nfor disturbance. It overcomes<br \/>\ndifficulties with its routine,<br \/>\nand above all, experiences. It\u2019s learned<br \/>\nthat a machine doesn\u2019t complain<br \/>\nand gives no cause for complaint.<br \/>\nIt\u2019s harder to come to terms with new<br \/>\nproducts; that\u2019s when deciding what to do<br \/>\ngets serious. More oil drips<br \/>\nout, and what\u2019s more, now<br \/>\nthere\u2019s an unaccustomed noise.<br \/>\nThe machine knows it\u2019s good,<br \/>\nand it knows<br \/>\nit can\u2019t help itself.<\/p>\n<h3>Dublin in Bloomtime<\/h3>\n<p>These wild faces<br \/>\nabove the still river surface.<br \/>\nThen the pack of dogs disappears<br \/>\nwith the stolen hat.<br \/>\nGreen bottles sway seaward.<br \/>\nAt night, time comes along like photos<br \/>\nyellowing with Bloom.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Here is a German-language article on him from today&#8217;s <strong>Deutschlandradio Kultur<\/strong>, including a snippet of a reading:<\/p>\n<blockquote>\n<h3 style=\"color: #000000;\"><small style=\"color: #666666;\">J\u00dcRGEN BECKER<\/small><span class=\"title audio\"><a style=\"color: #e85417;\" title=\"Unverwechselbarer Sound \" href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/unverwechselbarer-sound.954.de.html?dram:article_id=287836&amp;dram:audio_id=282899&amp;dram:play=1\" rel=\"nofollow\" data-audio=\"{&quot;id&quot;:&quot;282899&quot;}\">Unverwechselbarer Sound<\/a><\/span><\/h3>\n<p class=\"subtitle\" style=\"color: #000000;\"><em style=\"color: #666666;\">Der Georg-B\u00fcchner-Preistr\u00e4ger 2014 im Portr\u00e4t<\/em><\/p>\n<p class=\"author\" style=\"font-style: italic; color: #666666;\">Von Christian Linder<\/p>\n<dl class=\"largeImage\" style=\"color: #000000;\">\n<dt>\n<div><\/div>\n<\/dt>\n<dd>J\u00fcrgen Becker bei einer Lesung in K\u00f6ln (picture alliance \/ dpa \/ Horst Galuschka)<\/dd>\n<\/dl>\n<p class=\"kicker\" style=\"color: #000000;\"><strong>&#8220;Felder&#8221;, &#8220;R\u00e4nder&#8221; und &#8220;Umgebungen&#8221; nannte J\u00fcrgen Becker drei seiner B\u00fccher. Als experimentelle Textlandschaften sorgten sie bei ihrem Erscheinen f\u00fcr Aufsehen &#8211; und wurden zu Signaltexten der westdeutschen Nachkriegsliteratur.<\/strong><\/p>\n<p style=\"color: #000000;\"><em>&#8220;Dies waren die Wiesen am Fluss. So verlief der Weg \u00fcber das Feld. In der Ferne glitzernd die Raffinerie. Hier stand die Bank. Es waren zwei Frauen, zwei Kinder, vor\u00fcbergehend im Gespr\u00e4ch. Mehr war und geschah nicht. Damals, vor einer Stunde.&#8221;<br \/>\n<\/em><br \/>\n&#8220;Damals, vor einer Stunde&#8221; \u2013 in der Schlusszeile des Gedichts &#8220;Zeit verging am Sonntagnachmittag&#8221; bricht<a class=\"linkInternal\" style=\"font-weight: bold; color: #000000;\" title=\"Georg-B\u00fcchner-Preis Pr\u00e4gender Poet\" href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/georg-buechner-preis-praegender-poet.1895.de.html?dram:article_id=287818\">J\u00fcrgen Becker<\/a>\u00a0das kleine Stillleben auf, indem er das, was gerade passiert ist, in eine ferne Vergangenheit r\u00fcckt. Diese \u00fcberraschenden \u00dcberblendungen von Gegenwart und Vergangenheit, die Herstellung von Gleichzeitigkeit zwischen Erinnerungen oder Gef\u00fchlen oder Ereignissen von vor einer Stunde und von vor 20 oder 40 Jahren sind das Kennzeichen seiner Lyrik wie seiner Prosa. Solche offenen Textlandschaften hat er von Beginn an entworfen. &#8220;Felder&#8221;, &#8220;R\u00e4nder&#8221;, &#8220;Umgebungen&#8221; hei\u00dfen drei von Mitte der 1960er bis Anfang der 1970er-Jahre erschienene Prosab\u00fccher, in denen Becker sein Schreiben den Zw\u00e4ngen einer Gattung entzogen und statt Anpassung an vorgegebene Formen den Prozess der Verschmelzung dieser Formen vollzogen hat.<\/p>\n<p><em>&#8220;Mir kam es darauf an, Bewusstseinsbewegungen, also die Ereignisse in meinem Kopf, das Geschiebe der Assoziationen wahrzunehmen, aber ich wollte nicht den Umweg \u00fcber eine Gattung nehmen, sondern diese Bewusstseinsvorg\u00e4nge unmittelbar in Sprache \u00fcbersetzen.&#8221;<\/em><\/p>\n<h3 style=\"color: #000000;\">Unvergleichlicher suchender Blick<\/h3>\n<p style=\"color: #000000;\">Wenn J\u00fcrgen Becker sp\u00e4ter auch wieder zur Gedichtform oder klassischen Prosatexten wie &#8220;Erz\u00e4hlen bis Ostende&#8221; oder &#8220;Der fehlende Rest&#8221; zur\u00fcckfand \u2013 unvergleichlich blieb sein suchender Blick nach dem Geheimnis der Details, aus denen die Erinnerungen ihre Energien holen. Solches Schreiben als eine Art, zu leben hat, auch den Roman &#8220;Aus der Geschichte der Trennungen&#8221; hervorgebracht, in dem Becker \u2013 am 10. Juli 1932 in K\u00f6ln geboren \u2013 seine Kindheit in Th\u00fcringen nachzeichnet, wohin die Eltern 1939 gezogen waren. Die in dem Roman beschriebenen Spuren f\u00fchren zwar mitten hinein sowohl in Beckers, als auch Deutschlands Vergangenheit, aber:<\/p>\n<p style=\"color: #000000;\"><em>&#8220;Ich bin ja gar nicht daran interessiert, eine Autobiografie zu schreiben. Mir ging es eher darum, mit der R\u00fcckkehr in die Landschaft der Kindheit nach dem zu suchen, was zum Teil verblasst oder verschwunden ist, weshalb die Imagination hinzukommen muss. Und das w\u00e4re schon der Tod einer authentischen Autobiografie, wenn n\u00e4mlich die Imagination anf\u00e4ngt, mitzuwirken. Und all das Fehlende, all die wei\u00dfen Flecken im Kopf dann erneuert.&#8221;<\/em><\/p>\n<p style=\"color: #000000;\">1947 kehrte er nach Westdeutschland zur\u00fcck, zun\u00e4chst nach Waldbr\u00f6l und sp\u00e4ter wieder nach K\u00f6ln. Sein Studium hatte er abgebrochen, schrieb stattdessen f\u00fcr den Rundfunk und beteiligte sich seit Ende der 1960er-Jahre mit H\u00f6rspielen wie &#8220;H\u00e4user&#8221;, &#8220;Bilder&#8221; und &#8220;Hausfreunde&#8221; an der Gestaltung des sogenannten &#8220;Neuen H\u00f6rspiels&#8221;. 1974 wurde er Leiter der H\u00f6rspielredaktion im Deutschlandfunk und blieb es bis 1993. In diesen Jahren entstanden vor allem zahlreiche Gedichtb\u00e4nde mit Titeln wie &#8220;Erz\u00e4hl mir nichts vom Krieg&#8221;, &#8220;In der verbleibenden Zeit&#8221; oder &#8220;Odenthals K\u00fcste&#8221;. In der N\u00e4he von Odenthal im Bergischen Land hat er auch ein Haus, das er oft als Ort seines Erz\u00e4hlens benannt hat, ein etwas verdunkelter Ort, wo aber alles Wichtige beisammen sein und sich zeigen m\u00fcsste.<\/p>\n<h3 style=\"color: #000000;\">Poetischer Bilderrausch<\/h3>\n<p style=\"color: #000000;\">Da sind zum Beispiel Gef\u00fchle, die sich immer wieder einstellen, wo immer in der Welt sich der Erz\u00e4hler auch gerade aufhalten mag:<\/p>\n<p><em>&#8220;Schulwanderungen, Familienausfl\u00fcge, Spazierg\u00e4nge mit M\u00e4dchen, Radtouren und Fahrten im Gel\u00e4ndewagen, sie hatten in ihm Gef\u00fchle hinterlassen, die er noch in fernsten Gegenden, pl\u00f6tzlich, anfallweise, als Heimweh empfand.&#8221;<\/em><\/p>\n<p style=\"color: #000000;\">Es gebe die &#8220;Dauer eines Schmerzes, den wir nicht mehr sp\u00fcren&#8221;, der sich hinziehe &#8220;im Schatten gl\u00fccklicher Jahre, im Echo einer alten Musik&#8221;, hei\u00dft es in einem Gedicht J\u00fcrgen Beckers, das eine &#8220;Zukunft f\u00fcr Bilder&#8221; beschw\u00f6rt: &#8220;Wenn niemand mehr&#8221;, lautet die letzte Zeile, &#8220;die Bilder werden erz\u00e4hlen.&#8221; Eigentlich, hat J\u00fcrgen Becker einmal verraten, wollte er Landschaftsmaler werden, aber da ihm das Talent fehlte, habe er in seinem Bilderrausch die Landschaftsbilder in seiner Poesie erfinden m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"color: #000000;\">In dem unverwechselbaren J\u00fcrgen-Becker-Sound beendet er sein &#8220;Gedicht von der wiedervereinigten Landschaft&#8221; denn auch mit einem Bekenntnis zur poetischen Landschaftsmalerei:<\/p>\n<p><em>&#8220;Es macht wenig Unterschied zwischen dieser und jener Entfernung; es kommt auf die N\u00e4he zu unseren Landschaften an, die so wichtig f\u00fcr die Argumente der Bilder, f\u00fcr die Arbeiten im Ged\u00e4chtnis sind.&#8221;<\/em><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>This year&#8217;s B\u00fcchner Preis \u2014 the major poetry prize in Germany (both in prestige &amp; money: 50.000 Euros) \u2014 went to poet, \u00a0experimental prosist, &amp; radio-play author\u00a0J\u00fcrgen Becker. 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