{"id":11697,"date":"2014-03-01T10:14:47","date_gmt":"2014-03-01T14:14:47","guid":{"rendered":"https:\/\/pierrejoris.com\/blog\/?p=11697"},"modified":"2014-03-01T10:14:47","modified_gmt":"2014-03-01T14:14:47","slug":"the-great-european-digital-freakout","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pierrejoris.com\/blog\/the-great-european-digital-freakout\/","title":{"rendered":"The Great European Digital FreakOut"},"content":{"rendered":"<div id=\"articleHeader\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Ever since past summer&#8217;s revelations by the man-who-should-get-the-Nobel-Peace-Prize of the NSA&#8217;s global digital snooping, the Europeans have been freaking out. This morning my beloved France Culture had an hour long program discussing or rather explaining basics of digital communication, for example the difference between email &amp; the web \u2014 the difficulty may have lain in the fact that they used a good half-dozen English words (such as &#8220;le broadcasting,&#8221; &#8220;le podcasting,&#8221; etc.) &amp; I realized once again that if there isn&#8217;t a old-time French word for it, the thing or thought either doesn&#8217;t exist or can&#8217;t be understood.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Then, second cup of coffee by my side, I checked my trusted Perlentaucher &amp; came to a piece in the FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) by the elder statesman of German poetry &amp; respected intellectual, Hans Magnus Enzensberger (b. 1929). Titled <strong>&#8220;Enzensberger&#8217;s Rules for the digital world: Fight Back,&#8221;<\/strong> it is nothing less than the 10 Enzensbergian Commandments for life in this, our 21st century world. I&#8217;m appending them all below in German, but will only translate a few, thus for example his first commandment: &#8220;If you own a mobile phone, throw it away.&#8221; This has as much grip on reality as the Christian strictures against having sex alone or with others. HME&#8217;s third rule states that &#8220;On-line banking is a blessing, but only for secret services and criminals,&#8221; which will get further expanded into a demand for purely cash transactions (had he been French he would probably have suggested people keep all their savings as Louis d&#8217;ors under their mattresses). He further demands a total boycott of internet commerce, as well as an immediate stop of email use &amp; a return to handwritten (not typed) postal letters. And so on until we have the canonic ten. I thought, reading them, I&#8217;d eventually see the twinkle in his eye, perceive the satiric intent \u2014 but no, it looks as if he actually wrote this in all seriousness.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oh well, let me just remind him how lucky he is: as his commandments are transmitted electronically I can read them here in NY at the same time as they are published in Germany \u2014 &amp;, just as important, there was no risk for our octogenarian poeta-magnus to stumble on his way down from his solid Germanic Olympus (there <em>is<\/em> a slight resemblance with Charleston Heston, though the hairstyle is more up to date) towards the offices of the FAZ, drop his tablets &amp; see them shatter against the rock of reality.<\/p>\n<blockquote>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 2em; line-height: 1.5em;\">Enzensbergers Regeln f\u00fcr die digitale Welt: Wehrt Euch!<\/span><\/h6>\n<\/blockquote>\n<\/div>\n<blockquote>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<div>\n<div><img decoding=\"async\" title=\"Hans Magnus Enzensberger: Hier bei \u201eBeckmann\u201c \u00fcber seine Sicht auf die Gefahren der digitalen Welt f\u00fcr die Demokratie sprechend.\" alt=\"Kopie von Enzensberger bei \" data-src=\"http:\/\/media1.faz.net\/ppmedia\/aktuell\/feuilleton\/medien\/faz-net-fruehkritik\/2019574380\/1.2826847\/article_aufmacher_klein\/hans-magnus-enzensberger-hier-bei-beckmann-ueber-seine-sicht-auf-die-gefahren-der-digitalen-welt-fuer-die-demokratie-sprechend.jpg\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" class=\"lazyload\" \/><\/div>\n<p>\u00a9 dpaHans Magnus Enzensberger: Hier bei \u201eBeckmann\u201c \u00fcber seine Sicht auf die Gefahren der digitalen Welt f\u00fcr die Demokratie sprechend.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>F\u00fcr Leute, die keine Nerds, Hacker oder Kryptographen sind und die Besseres zu tun haben, als sich st\u00fcndlich mit den Fallgruben der Digitalisierung zu befassen, gibt es zehn einfache Regeln, wie sie sich ihrer Ausbeutung und \u00dcberwachung widersetzen k\u00f6nnen:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer ein Mobiltelefon besitzt, werfe es weg. Es hat ein Leben vor diesem Ger\u00e4t gegeben, und die Spezies wird auch weiter existieren, wenn es wieder verschwunden ist. Der abergl\u00e4ubischen Verehrung, die ihm zuteil wird, sollte man nichts abgewinnen. Smart sind nicht diese Ger\u00e4te oder die sie benutzen, sondern die sie uns anpreisen, um unermessliche Reicht\u00fcmer anzuh\u00e4ufen und gew\u00f6hnliche Menschen zu kontrollieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer immer einem ein kostenloses Angebot macht, ist verd\u00e4chtig. Man sollte unbedingt alles ausschlagen, was sich als Schn\u00e4ppchen, Pr\u00e4mie oder Gratisgeschenk ausgibt. Das ist immer gelogen. Der Betrogene zahlt mit seinem Privatleben, mit seinen Daten und oft genug mit seinem Geld.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Online-Banking ist ein Segen, aber nur f\u00fcr Geheimdienste und f\u00fcr Kriminelle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Regierungen und Industrien m\u00f6chten das Bargeld abschaffen. Ein gesetzliches Zahlungsmittel, das jeder einl\u00f6sen kann, soll es nicht mehr geben. M\u00fcnzen und Scheine sind Banken, H\u00e4ndlern, Sicherheitsbeh\u00f6rden und Finanz\u00e4mtern l\u00e4stig. Plastikkarten sind nicht nur billiger herzustellen. Sie sind auch unseren Aufpassern lieber, denn sie erlauben es, jede beliebige Transaktion zur\u00fcckzuverfolgen. Deshalb tut jeder gut daran, Kredit-, Debit- und Kundenkarten zu meiden. Diese st\u00e4ndigen Begleiter sind l\u00e4stig und gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem Aberwitz, alle denkbaren Gebrauchsgegenst\u00e4nde, von der Zahnb\u00fcrste bis zum Fernseher, vom Auto bis zum K\u00fchlschrank \u00fcber das Internet zu vernetzen, ist nur mit einem totalen Boykott zu begegnen. An den Datenschutz den mindesten Gedanken zu wenden f\u00e4llt ihren Herstellern nicht im Traum ein. Der einzige K\u00f6rperteil, an dem sie verwundbar sind, ist ihr Konto. Sie sind nur durch die Pleite zu belehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4hnliches gilt f\u00fcr die Politiker. Alles, was man gegen ihr Tun und Lassen einwendet, ignorieren sie. Den Finanzm\u00e4rkten begegnen sie unterw\u00fcrfig, und gegen das Treiben der Geheimdienste vorzugehen, wagen sie nicht. Interessiert sind sie jedoch daran, wiedergew\u00e4hlt zu werden. Solange das Wahlrecht noch existiert, sollte man ihnen die Stimme verweigern, wenn sie die digitale Enteignung dulden, statt gegen sie vorzugehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>7<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">E-Mail, zu deutsch Strompost, ist sch\u00f6n, schnell und kostenlos. Also Vorsicht! Wer eine vertrauliche Botschaft hat oder nicht \u00fcberwacht werden m\u00f6chte, nehme eine Postkarte und einen Bleistift zur Hand. Handschrift ist von Automaten schwer zu lesen. Niemand vermutet auf einer Ansichtskarte, die 45 Cent kostet, wichtige Nachrichten. Man braucht also nicht zu einem toten Briefkasten zu greifen, wie er in altmodischen Spionageromanen vorkommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>8<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Waren oder Dienstleistungen via Internet sollte man meiden. Anbieter wie Amazon, Ebay und so weiter speichern alle Daten und bel\u00e4stigen ihre Kunden mit Reklamem\u00fcll. Anonymer Einkauf ist besser. Einzelne Adressen, die man gut kennt, k\u00f6nnen als Ausnahmen durchgehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>9<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gro\u00dfen Internetkonzerne finanzieren sich, ebenso wie das sogenannte Privatfernsehen, haupts\u00e4chlich durch Reklame. Damit stehlen sie ihren Kunden Zeit und Aufmerksamkeit. Wer einen, in welcher Form auch immer, andauernd anbr\u00fcllt oder bel\u00e4stigt, den sollte man abstrafen. Auf alle Angebote, die auf diese Weise vermarktet werden, zu verzichten ist empfehlenswert, ebenso wie Sender, die einen durch Werbung terrorisieren, ein f\u00fcr alle Mal abzuschalten. Das ist nicht nur aus hygienischen Gr\u00fcnden ratsam. Bekanntlich arbeiten besonders amerikanische Gro\u00dfkonzerne eng mit den Geheimdiensten zusammen, um m\u00f6glichst jede menschliche Regung auszusp\u00e4hen und zu kontrollieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>10<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Netzwerke wie Facebook nennen sich \u201esozial\u201c, obwohl sie ihren Ehrgeiz daransetzen, ihre Kundschaft so asozial wie m\u00f6glich zu behandeln. Wer solche Freunde haben will, dem ist nicht zu helfen. Wer bereits das Ungl\u00fcck hat, einem solchen Unternehmen anzugeh\u00f6ren, der ergreife so schnell wie m\u00f6glich die Flucht. Das ist gar nicht so einfach. Was ein Krake einmal erbeutet hat, gibt er nie wieder freiwillig her.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit diesen simplen Ma\u00dfregeln kann das politische Problem, vor das die Gesellschaft gestellt ist, nat\u00fcrlich nicht gel\u00f6st werden. Angesichts der Passivit\u00e4t und der Unterw\u00fcrfigkeit der hierzulande regierenden Parteien ist es bemerkenswert, wenn sich ein namhafter Politiker \u00fcberhaupt einmal dazu \u00e4u\u00dfert. Er hei\u00dft Martin Schulz und ist nicht nur Pr\u00e4sident des Europ\u00e4ischen Parlaments, sondern sogar Sozialdemokrat. Weder er noch seine Partei hat sich bisher mit Einspr\u00fcchen gegen den Sicherheits- und Kontrollwahn hervorgetan. Alle einschl\u00e4gigen \u00dcbergriffe, gleichg\u00fcltig, ob sie aus dem Ausland kommen oder deutscher Wertarbeit zu verdanken sind, wurden bisher durchgewinkt. Daten speichern, abh\u00f6ren, abwiegeln &#8211; das sind die \u00fcblichen Verfahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Schlaf der Vernunft wird bis zu dem Tag anhalten, an dem eine Mehrheit der Einwohner unseres Landes am eigenen Leib erf\u00e4hrt, was ihnen widerfahren ist. Vielleicht werden sie sich dann die Augen reiben und fragen, warum sie die Zeit, zu der Gegenwehr noch m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, verschlafen haben.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ever since past summer&#8217;s revelations by the man-who-should-get-the-Nobel-Peace-Prize of the NSA&#8217;s global digital snooping, the Europeans have been freaking out. 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